Kalgoorlie und der Reichtum
Kalgoorlie und Reichtum! Die Stadt, die mit ihren Goldfunden den Wohlstand West Australiens begründete. Die Stadt, wo alles eben eine Nummer größer und teurer sein soll. Was für eine tolle Stadt im üblichen eintönigen und öden Outback nach der Trübsal der vergangenen Goldstädte! Breite Straßen mit gefüllten Geschäften. Bunte Reklame und reges Treiben der vielen Menschen unterwegs. So habe ich mir eine Goldgräberstadt in heutiger Zeit vorgestellt. Leider passten nur die beiden bettelnden Aborigines nicht. Wird der Stolz des Volks wohl nun doch langsam besiegt? Und eine zweite Überraschung. Im Visitor Centre erfuhren wir, dass in jedem Hotel Zimmer frei wären. So haben wir in der Qual der Wahl mindesten sechs Hotels besichtigt und uns dann für das Best Western Hospitality Inn entschieden. Eine sehr gute Wahl. Nach vier Tagen verlängerten wir den Aufenthalt um weitere drei Tage. Kalgoorlie bot so viel Sehenswertes. Das phantastische Wetter, die tolle Herberge mit dem Pool, der am Nachmittag ungestört zu unserer Verfügung stand. Wir fühlten uns pudelwohl.
Viele Häuser in der Stadt sind zweistöckig. Sehenswert die prächtigen, aus Sandstein gemauerten, Gebäude wie Rathaus, Gericht, das Registrationsoffice und auch einige Hotels. Die renovierte Markthalle ist ebenfalls aus Stein gebaut. Bögen, Balkone und Fenster gestalten eine formschöne Fassade, unter denen schattige Bänke zum Ausruhen einladen. Entlang der Geschäftsstrasse sind über den vielen kleinen Läden in gesamter Breite Schatten gebende halbrunde Kunststoffmarkisen angebracht. An der Ecke Hannan Street zur Wilson Street sitzt als so eine Art Brunnenfigur Paddy Hannan, der mit zwei weiteren irischen Glücksrittern 1893 hier suchte und im wahrsten Sinne des Wortes über das erste Gold stolperte. Ein 100 Unzen angeschwemmter Nugget lag da einfach in der Gegend. Von Coolgardie, wo Bayley und Ford 1892 Gold fanden, waren sie aufgebrochen, um neue Goldadern zu entdecken. Was nach der Registratur der Claims am 17. Juni folgte, war eine wahre Völkerwanderung in das neueste Goldfeld in West Australien. Innerhalb von 10 Jahren strömten über 30 Tausend Menschen nach Kalgoorlie. Die schnell wachsende Stadt nannte sich nach dem Aborigines Wort für eine einheimische Birne „Karlkurla“. Aber die Einheimischen nennen ihre Stadt nur Kal.
Paddy’s Bronzeskulptur zeigt ihn auf einen Stein sitzend, gerade ein Nugget im Beutel verstauend. Und die unvermeidliche Flinte griffbereit neben sich. Zwar sitzt er im Zentrum von Kal, doch ziemlich weit weg von der Stelle (Ecke Brown St. / Egan Street), wo er das erste Gold gefunden hat. Mir hat seine Bronzeskulptur in Perth besser gefallen.
Über allem thront der Mount Charlotte. Auf dem Berg steht ein riesiges Wasserbassin. Der Rundblick von oben ist beeindruckend. Im Norden zum kleinen Stadtteil Lamington und der Mining Hall of Fame, im Westen zur Stadt, dem Glockenturm des Rathauses und dem Museum mit einem attraktiven Förderturm, im Süden zum Goldfield Hwy und den vielen Minen und im Osten zu Minen, Halden und den Salzseen mit dem Cyanidschlamm.
Hier gibt es zwar Gold und Geld. Aber was wäre das wert ohne Wasser? Das kleine Camp von Paddy und seinen Kollegen am Fuße des Berges 1893 hatte noch kein Wasserproblem. Aber dann kamen sie ja alle. Zum Teil ohne Ausrüstung, ohne Geld. Unvorbereitet auf ein hartes entbehrungsreiches Leben voller Arbeit und Misserfolge. Sie hausten in „Hessians“ (Zelten aus Sackleinen), in Hütten aus Segeltuch, alten Paketkisten und Wellblech. Das ungewohnte Essen, die Wasserknappheit, der Mangel an sanitären und medizinischen Einrichtungen raffte Tausende dahin. Mit der Zeit verdingten sich viele Goldsucher dann beim Straßenbau oder sie waren froh, wenigstens als Minenarbeiter für 30 Schilling pro Schicht bei einer Mine unterzukommen. Das war die Zeit, wo Wasser kostbarer war als Gold.
Aber das ist schon wieder eine andere spannende Geschichte.
Auszug aus dem Australienbuch von Dieter Tischendorf „Und immer weiter zur Sonne“.
Im www.ditido.de Verlag erschienen.
Lesen Sie seine neuesten Reiseberichte über Tasmanien und Australien auf www.apple-island.de und www.australien-reporter.de die exklusiv im Internet veröffentlicht wurden.
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