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Störungen des Sozialverhaltens

Sichtbare Beeinträchtigungen im Sozialverhalten vor allem Jugendlicher können in eigentliche Störungen ausarten, die auch einer entsprechende Diagnose zugeordnet sind. Störungen des Sozialverhaltens sind charakterisiert durch Verhaltensmuster, die sowohl dissozial, aggressiv und aufsässig sind. Diese Muster müssen anhaltend sein und sich immer wieder in verschiedenen Beziehungskontexten wiederholen. Im ICD-10-Diagnosemanual werden Störungen des Sozialverhaltens mit dem Code „F91“ codiert.

Das Verhalten übersteigt in seinen gröbsten Zügen ganz deutlich die Art der Verletzungen und Pöbeleien, welche sich Jugendliche ansonsten im Rahmen von kindlichem Unfug oder Aufmüpfigkeit erlauben.

Das anhaltende Verhaltensmuster muss die Dauer von mindestens sechs Monate oder länger aufweisen, seitdem die erste grobe soziale Grenzverletzung geschehen ist.

Beispiele, die solche Verhaltensweisen illustrieren, sind ein extremes Maß an Streiten oder Tyrannisieren, Grausamkeit gegenüber anderen Personen oder Tieren, erhebliche Zerstörung von fremdem Eigentum, Brandstiftung respektive Feuerlegung, Stehlen, häufiges Lügen, Schuleschwänzen und Weglaufen von zu Hause, ungewöhnlich häufige und schwere Wutausbrüche und systematischen Ungehorsam gegenüber auch anständig auftretenden Autoritätspersonen. Jedes dieser Beispiele kann bereits bei erheblicher Ausprägung ausreichend sein für die Diagnose, nicht aber nur isolierte dissoziale Handlungen.

Die Störung wird in der Fachliteratur ausdifferenziert. Es gibt zum Beispiel die auf den familiären Rahmen beschränkte Störung des Sozialverhaltens. Diese Verhaltensstörung umfass aggressives und dissoziales (und nicht nur oppositionelles, aufsässiges oder trotziges Verhalten), das sich fast vollständig auf das Zuhause beschränkt, auf Interaktionen mit Mitgliedern der engeren Familie. Erwähnenswert ist auch die Differenzierung in Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen. Dazugehörige Begriffe lauten hier „Gruppendelinquenz, Vergehen im Rahmen einer Bandenmitgliedschaft, gemeinsames Stehlen“.

Störungen des Sozialverhaltens können auch Symptom anderer, zugrunde liegender Störungen sein. Bestimmte affektive Störungen oder auch tiefgreifende Entwicklungsstörungen sind deshalb eine Ausschlussdiagnose. Bestimmte Muster können sich im Laufe des weiteren Erwachsenenlebens verfestigen. Es kann deshalb auch ein Zusammenhang gesehen werden mit dem Störungsbild einer dissozialen Persönlichkeit (früher: Soziopathie, Psychopathie).


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Eingestellt: 28.04. 2008
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Kategorie: Gesundheit