Wolfgang Wagner – der Patriarch des Hauses Wahnfried
Wolfgang Wagner galt nicht unbedingt als exzellenter Regisseur aber als sehr guter Leiter der Festspiele in Bayreuth.
Im Alter von knapp elf Jahren verlor Wolfgang Wagner seinen Vater. Die innige Freundschaft seiner Mutter Winifred mit Adolf Hitler - der von den Wagners „Onkel Wolf“ genannt werden wollte - bewahrte Wolfgang nicht vor Arbeitsdienst und Militärdienst. Nach einer schweren Kriegsverwundung absolvierte er seine theaterpraktische und musikalische Ausbildung ab 1940 an der Staatsoper Berlin.
Gemeinsam mit seinem Bruder Wieland Wagner übernahm er nach dem Zweiten Weltkrieg die Leitung des Bayreuther Festspielhauses respektive die Gesamtleitung der Bayreuther Festspiele, die erstmals 1951 wieder stattfinden konnten. Beide gelten in diesem Zusammenhang als Wegbereiter des sogenannten Neu-Bayreuth: Darunter ist eine stilistische Erneuerung zu verstehen, die Wieland Wagner als „Entrümpelung“ der Szene, Wolfgang Wagner mit dem Begriff „Werkstatt Bayreuth“ auf den Punkt brachte.
Nach dem Tod Wieland Wagners im Jahr 1966 leitete Wolfgang Wagner die Festspiele in alleiniger Verantwortlichkeit. Das Bayreuther Festspielhaus und das Haus Wahnfried die bis dahin Familieneigentum waren, wurden unter seiner Leitung in die 1973 gegründete Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth überführt. An ihr sind sowohl die Familie als auch öffentliche Institutionen und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V. beteiligt.
Seit 1986 war Wolfgang Wagner Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH (seit 1987 mit einem Vertrag auf Lebenszeit). Daraus resultiert eine größere Gestaltungsfreiheit und zugleich Verantwortung, als es bei einem rein staatlich bestellten Intendanten der Fall wäre.
Wolfgang Wagner holte Dirigenten wie Carlos Kleiber, Colin Davis, Woldemar Nelsson, Daniel Barenboim, Peter Schneider, James Levine, Giuseppe Sinopoli und Christian Thielemann nach Bayreuth.
Während seine eigenen Inszenierungen als eher konservativ eingestuft wurden, öffnete er die Festspiele für innovative Gastregisseure. Als ebenso provokant wie epochal gelten etwa die Neuinterpretationen des Tannhäuser durch Götz Friedrich 1972 und des Fliegenden Holländers durch Harry Kupfer 1978, der „Jahrhundertring“ 1976 von Patrice Chéreau (Regie) und Pierre Boulez (Dirigent), die legendäre Tristan-Inszenierung 1993 von Heiner Müller oder die Parsifal -Inszenierung 2004 durch Christoph Schlingensief.
Anders als im normalen Opernbetrieb gab Wagner seinen Regie-Teams die Möglichkeit, ihre Inszenierungen jährlich weiterzuentwickeln. Dessen ungeachtet wurde in letzter Zeit häufig der Vorwurf erhoben, die Bayreuther Festspiele hätten ihre Vorreiterrolle in der Wagner-Interpretation eingebüßt.
In erster Ehe war Wolfgang Wagner ab 1943 mit der Tänzerin Ellen Drexel verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: die Theater-Managerin Eva Wagner-Pasquier sowie Gottfried Wagner .
Nach der Scheidung 1976 heiratete Wagner seine damalige Sekretärin im Pressebüro der Festspiele Gudrun Mack. Ihre gemeinsame Tochter Katharina Wagner wurde 1978 geboren.
In den letzten Jahren seiner Amtszeit war wegen des hohen Alters und der angeschlagenen Gesundheit Wolfgang Wagners die Diskussion um seine Nachfolge entbrannt. 2001 nominierte der Stiftungsrat mit einer Mehrheit von 22 zu 2 Stimmen Eva Wagner-Pasquier als künftige Festspielleiterin. Wagner, der seine zweite Ehefrau Gudrun favorisierte, lehnte dieses Votum ab und berief sich dabei auf seinen Vertrag auf Lebenszeit.
Nach dem überraschenden Tod von Gudrun Wagner Ende 2007 kam es zu einer „behutsamen Wiederannäherung zwischen Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier.
Im April 2008 signalisierte Wagner erstmals, dass er sich gemeinsame Leitung der Festspiele durch seine beiden Töchter Eva und Katharina vorstellen könne.
Nachdem sowohl Katharina Wagner als auch Eva Wagner-Pasquier ihre Bereitschaft zur Kooperation erklärt hatten, kündigte Wagner in einem Brief an den Stiftungsrat an, zum 31. August 2008 sein Amt als Festspielleiter niederzulegen.
Der Stiftungsrat entsprach dem Wunsch Wolfgang Wagners um seine Nachfolge.
Unbestritten sind seine langjährigen Verdienste um die Stabilisierung der Festspiele und die wegweisenden Verpflichtungen von innovativen Regisseuren.
Nach dem Generationswechsel in Bayreuth und Wolfgang Wagners Tod müssen nun seine beiden Töchter Eva und Katharina ohne den Patriarchen die Zukunft des Festivals sichern.
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